Tough Guy – Die Mutter aller HindernisläufeTough Guy

Es ist die Mutter aller Hindernisrennen: Das Tough Guy Race in England in Perton, nahe der Stadt Wolverhampton. Ein 150 Hektar großes Grundstück, eine 15 Kilometer lange Strecke und „Killing Fields“ mit zahlreichen schwierigen Hindernissen – das Rennen macht seinem Namen alle Ehre und gilt als eines der härtesten Rennen der Welt. Was jedoch so ganz und gar nicht nach Spaß klingt, lockt jährig Tausende von Teilnehmern in die Nähe von Birmingham – und nicht mal zwei Drittel der Teilnehmer des Tough Guy erreichen in der Regel auch das Ziel.

Was ist ein OCR?

Die Abkürzung steht für Obstacle Course Race, also Hindernislauf. Andere Bezeichnungen sind Crossläufe, Matschläufe, Hindernisrennen oder Survival-Runs. Im Endeffekt bezeichnen sie alles das eine: Ein Lauf, bei welchem künstlich angelegte oder natürliche Hindernisse zu überwinden sind. So muss über Holzwände geklettert, durch Seen und Flüsse gewatet oder geschwommen oder durch mit Stacheldraht versehene Hindernisse gekrochen werden. Die Länge der Strecken variiert dabei, von 5 Kilometern bis hin zur Marathonläufe (42,5 Kilometern) ist alles dabei. Was bisher vor allem in den USA und England großen Anklang fand, wird nun auch in Deutschland immer beliebter.

Herausforderungen bei einem Hindernisrennen

Hindernisläufe erfreuen sich unter anderem auch deswegen so großer Beliebtheit, weil in der Regel der Spaßfaktor im Vordergrund steht. Manche Hindernisläufe lassen sich auch nur als Team bewältigen, hier steht der Gedanke „Alle für einen, einer für alle“ im Vordergrund. Generell ziehen Hindernisläufe auch diejenigen Sportler an, für die „einfach nur laufen“ zu langweilig ist. So wird bei einem Obstacle Course Race körperliche Höchstleistung in den Bereichen Kraft und Ausdauer, Selbstüberwindung und Kampfgeist verlangt. Und gerade diese Mischung aus Ausdauersport und den Hindernissen, die einiges an Kraft und oftmals auch Geschicklichkeit abverlangen, machen Hindernisrennen so beliebt.

Was macht das Tough Guy Race so besonders?

Eines der härtesten Rennen der Welt – diesen Titel trägt das Rennen in England nicht zu unrecht. Seit 1987 findet der Tough Guy einmal jährlich statt, immer am letzten Sonntag im Januar. Die Distanz beträgt inzwischen 15 Kilometer (2009 wurde die Strecke um 3 Kilometer verlängert) und mittlerweile gilt es über 200 herausfordernde Hindernisse zu überwinden: So müssen die Teilnehmer unter anderem durch tiefen Matsch robben, unter Stacheldrahtzaun durchkriechen, durch enge Röhren kriechen, in eiskaltem Wasser durch Hindernisse tauchen, klettern und abseilen, unter Elektrozäunen durchkriechen und über brennende Heuballen laufen. Dazu kommen die Außentemperaturen, die im Januar oftmals um die Null-Grad-Grenze liegen und auch gerne mal von Regen oder Schnee begleitet werden. Kein Wunder also, dass von den mehreren tausend Teilnehmern manchmal nichtmal die Hälfte ins Ziel kommt.

Entworfen wurde das Rennen übrigens von Billy Wilson, und der hatte Erfahrung mit Herausforderungen: Zuvor entwarf er Trainingscamps für die königlichen Grenadier Guards, die zu den fünf Leibregimentern der britischen Königin gehören.

Die Teilnahmegebühr beginnt bei 80€ aufwärts (abhängig vom Zeitpunkt der Anmeldung), die Erlöse werden an wohltätige Vereine gespendet. Einen Rabatt gibt es nur für Teilnehmer aus vorherigen Rennen des Tough Guy. Die Teilnehmerzahl ist auf insgesamt 7000 Teilnehmer begrenzt. Die genaue Streckenkarte wird einen Monat vor Start des Events veröffentlicht.

Gewinner des härtesten Rennens der Welt

Im Jahre 2011 gab es das erste Mal einen Gewinner, der nicht aus England stammte – dafür aus Deutschland: Kurt Höhlet, ein Medizinstudent aus Göttingen, gewann den Lauf. Und das nicht nur 2011, sondern ebenfalls in den beiden darauffolgenden Jahren. 2014 gewann Charles Franzke, ein deutscher Sportmanagement-Student, 2015 und 2016 machten die Briten wieder den Sieg unter sich aus: 2015 schaffte es Briton Jonathan Alben als erste ins Ziel, 2016 gewann sein Landsmann Connor Hancock, der 2015 als zweiter die Ziellinie überquerte.

Weitere Tough Guy Hindernisläufe

Neben dem Original-Lauf, der jedes Jahr im Januar stattfindet, gibt es noch weitere Rennen, die alle ebenfalls im britischen Perton stattfinden: Im April der Mudathon mit einem Halbmarathon mit rund 13 Meilen Länge und einer kurzen Variante mit knapp 7 Meilen Länge.

Im Sommer, Ende Juli, findet dann der Nettle Warior statt, ein zweirundiges Rennen durch Schlamm, Wasser, Feuer und – als wäre das nicht schon genug – Brennnesseln. Eine Runde ist 15 Kilometer lang, das gesamte Rennen beträgt also rund 30 Kilometer.

Im Oktober findet dann die Toughest Obstacle Team Championship statt, ebenfalls auf dem klassischen TG-15-Kilometer Kurs. Sie richtet sich an Teams mit 6 Teilnehmern. Gestartet wird gemeinsam, und auch der Zieldurchlauf muss gemeinsam erfolgen. Zwischendurch gibt es Hindernisse, die nur gemeinsam als Team bewältigt werden können. Angetreten werden kann in 5 Kategorien: Männergruppen bis und über 35 Jahren, Frauengruppen bis und über 35 Jahren und gemischte Teams.

Und schließlich gibt es noch die Tough Kids – alle Rennen gibt es auch für Kinder, mit abgeschwächten, aber dennoch herausfordernden Kursen mit einer Länge von jeweils 7 Kilometern. Dabei müssen Kinder immer von einem Erwachsenen begleitet werden, welcher bis zu 3 Kinder betreuen kann.

Der Grundstein aller Hindernisläufe

Mit dem TG fing alles an: Er legte im Jahre 1987 mit dem ersten Crosslauf über künstliche und natürliche Hindernisse den Grundstein für ein Phänomen, das später Läufer auf der ganzen Welt herausfordern sollte. Zuerst allerdings fristete der TG noch ein recht einsames Dasein, erst nach und nach entwickelten sich Events auch in anderen Ländern – vor allem in Großbritannien, den USA und Skandinavien fanden sich immer mehr Anhänger und Hindernisläufe. In Deutschland kam es erst 2007 zum ersten Hindernislauf: Dem Fishermans Freiend StrongmanRun. Inzwischen hat sich das Fieber jedoch auch hier ausgebreitet, 2016 gibt es bereits über 100 Hindernisläufe.

Europa- und Weltmeisterschaft

Wie sehr sich die doch noch recht junge Szene der Hindernisläufe professionalisiert, zeigt sich auch an den ersten offenen Europameisterschaften, die 2016 das erste Mal in den Niederlande ausgerichtet werden. Über Qualifizierungsläufe in ganz Europa können sich Athleten für die Teilnahme an der Europameisterschaft qualifizieren, indem sie eine vorab festgelegte Platzierung im jeweiligen Rennen erreichen. Unter den Qualifier-Events sind auch diese Läufe in Deutschland, darunter die Strong Viking, Braveheart Battle, No Guts No Glory, Runterra, Limes Run, Dragonheart Battle und Getting Tough – The Race.

Ebenso gibt es die Weltmeisterschaften (OCR World Championships), die 2016 im Oktober in den Blue Mountains in Kanada stattfinden. Hier gilt ebenfalls: Alle Athleten, die an der Weltmeisterschaft teilnehmen möchten, müssen sich vorab in einem der ausgewählten Rennen qualifizieren. In Deutschland sind es dies drei Rennen: Der Strong Viking Mud Edition in Osnabrück, der Spartan Race Spartan Sprint in München und der Strong Viking Hills Edition in Frankfurt.

Folge dem Hindernislaufguru: