Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin…

Aus einem Spartaner wurde ein Spartaner mit Trifecta.

12 Wochen hatte ich mich auf diesen einen Lauf vorbereitet. 12 Wochen mit Höhen und Tiefen. Es sollte mein Comeback werden. Nach langer Verletzungspause und einer Social Media Entgiftung war es nun so weit. Spartanrace Berlin über die Beast Distanz in der Elite Age Group.

08.07.2019 Trainingsbeginn

Im Modus 3 Wochen ballern und 1 Woche easy going machte ich mich fit. Intervalle, Uphills, Carrytraining, lange Läufe, Lauf ABC, Klimmzüge, RingDips, Thrusters, …

Der Körper weinte, aber ich habe nicht darauf gehört. Ich wollte es wissen. ICH WOLLTE ES WISSEN!!! Die Werte wurden besser und auch Leistungen dementsprechend. Ein paar Testläufe mussten her. Ich wurde zum Red Castle Run, Lake Run Möhnesee und meinem ersten Spartanrace Verbier in der Schweiz eingeladen. Kein Lauf, wie der andere und alle mit positivem Ergebnis. Auch wenn der Red Castle Run lediglich ein Funlauf ist, wurde ich erster in der langen Distanz, ok, es waren keine Wettkämpfer am Start. Lake Run wurde ich trotz angezogener Handbremse und dem Red Castle Run wurde ich 6. im Gesamteinlauf der mittleren Distanz und erster in meiner Altersgruppe.

Und auch mein erstes Spartanrace sollte mit einer Silbermedaille in der Age Group gekrönt werden. EM Quali für 2020 bereits eingetütet, WM Quali für 2019 hatte ich nun auch noch, aber die steht nicht auf meinem Plan.

Freitag, 27.09.2019 Wir (ich) fahren nach Berlin

Aus meiner Reise in die Schweiz wusste ich ja bereits, dass ein Spartaner nicht viel braucht. 2 Taschen mit Raceoutfit, Isomatte und Schlafsack, eine Kühltasche mit Proviant und einen Gaskocher mit Alukanne für Kaffee. Ach ja einen Wasserkanister.

Die Fahrt verlief unbeschwerlich, zog sich aber wie Gummi. Irgendwann kam ich dann an. Es dämmerte schon ein wenig und das Wetter lies nichts Gutes erahnen. Ich fuhr auf das Gelände des Luftfahrtmuseums Finowfurt bei Berlin. Um auf dem Campingplatz zu übernachten, musste ich 15,- € bezahlen. Ich bereitete mein Nachtlager vor und schaute mich ein wenig auf dem Gelände um. Es sollte noch ein Lagerfeuer geben, welches aber witterungsbedingt ausgefallen ist. Hier habe ich Alex kennengerlernt. Alex ist ein Amerikaner und möchte sein erstes Spartanrace bestreiten. Ein Ami macht sein erstes Spartan in Berlin. Alex fragte mich, ob er seine Sachen hinter mein Auto legen könnte. Ich hatte damit gerechnet, dass er dort sein Zelt aufschlagen würde, aber er war noch mehr Spartan als ich, denn ich legte mich in mein Auto und er in seinen Schlafsack – sonst nichts.

Samstag, 28.09.2019 – Raceday

Heute wurde ich früh wach, ganz ohne Wecker. Ich hatte mich allerdings auch schon früh hingelegt. Es wurde auch schon hell und viel wichtiger es war trocken. Langsam schälte ich mich aus dem Auto und erkundete das Gelände bei Tag. Kurz vor 07:00 Uhr begab ich mich zur Registration und war auch direkt erster in der anschließenden Schlange. Sebastian kam rüber und sagte uns, dass erst um 07:00 Uhr geöffnet wird. Allerdings waren wir ja hinter der Absperrung und niemand machte den Anschein, dass er schon zum Desk laufen wolle. Naja, ziemlich pünktlich hieß es dann, dass die erste für eine Probeanmeldung an die Tische gehen könnten. Was soll ich sagen, bei mir funktionierte es natürlich nicht direkt.

Nachdem ich meine Unterlagen zum Beast bekommen hatte, konnte ich mir noch die Sachen für den Sprint Open abholen. Für beides brauchte man seinen Barcode der Anmeldung und einen Lichtbildausweis. Startzeit 14:00 Uhr. Um 14:00 Uhr sollte auch die Siegerehrung stattfinden, aber ich hatte ohnehin nicht mit einer Platzierung unter den ersten dreien gerechnet. Ich wollte einfach nur ein Rennen laufen, mit dem ich am Ende und mit mir im Reinen bin.

Also der mittlerweile etwas längeren Warteschlange entlang zurück zum Auto und erstmal ein paar Brote gefrühstückt und Kaffee getrunken. Danach die Morgentoilette. Die Toiletten waren ohnehin der Hammer – OHNE WORTE!

Mein Beast-Start war um 08:50 Uhr. Es war also noch Zeit, sich umzuziehen und unzählige Male auf die Toilette zu gehen. Irgendwie war ich völlig nervös. Ich hatte bereits Schuhe und Socken an, hatte aber meine Compressions vergessen. Also Schuhe wieder ausziehen und die Teile an. Schuhe wieder anziehen und bemerken, dass Hinten vorne ist und umgekehrt. Schuhe wieder aus und die Compressions umdrehen. Hahaha. Völlig Banane!

08:30 Uhr habe ich den Elite Läufern beim Start zugesehen. Auch Jan-Philipp war am Start. Hab mich gefreut, ihn zu sehen – feiner Kerl. Der Countdown lief und ab ging die Post. Ich bin immer wieder beeindruckt, wie schnell Menschen rennen können.

Nun war für mich etwas Zeit, um mich warm zu machen. Nachdem dann die 08:40 Elite Age Group Welle raus war, konnte ich dann in den Startblock. Ich traf Alex beim Reingehen, welcher mir Glück wünschte. Ich fragte ihn, was er hier mache, denn er hätte 10 Minuten zuvor starten sollen. Da hat er wohl seinen Start verpasst und rutschte somit automatisch in die Open Kategorie. Das tat mir dann schon sehr leid, aber ich musste mich nun auf mich konzentrieren.

Am Start war auch Toni. Der alte Haudegen ist nicht kleinzukriegen. Ich war mir sicher, dass auch er sein Rennen machen wird. Ich gesellte mich relativ weit vorne an den Start. Sämtliche „Aroos“ oder „Wir sind Spartaner“ habe ich nun nicht mehr gehört. Ich war im Modus. Lange nicht mehr dieses Gefühl gehabt. Absolute Ruhe vor dem Sturm. Tiefe Atemzüge, Beine lockern und Bewegung, um das Adrenalin im Zaum zu halten. Ich bin am Start. Es kann losgehen. Beim Countdown von Rammstein legte ich meinen Finger an die Uhr. …………… GO!!!!!

In meinem Modus lies ich mich nicht von den Vorbeiziehenden beirren, auch wenn einem für einen Moment die Zweifel kommen. Doch ich dachte mir nur, lass sie laufen und mach Dein Ding. Ein Halbmarathon wird nicht auf den ersten 5 km entschieden. Ich versuchte meinen Rhythmus zu finden und konzentrierte mich darauf, die Hindernisse fehlerfrei hinter mich zu bringen.

Es gab wohl auch neue Hindernisse, z. B. einen Balancebalken und den Beater, eine Monkeybar, wo sich die Stäbe an einigen Stellen, wie ein Mähdrescher drehten.

Ich merkte vor jedem (JEDEM) Hindernis, wie jedes Mal die Anspannung stieg –selbst beim Crawl. Da ich nicht der stärkste Läufer bin, konnte ich gerade hier allerdings punkten. Und mit dem Laufen hatten die anderen auch Schwierigkeiten, denn ein Großteil der Strecke war sandiger Boden, wo man sich die Beine in den Arsch lief.

Am Anfang war ich noch unter den Top 15, aber irgendwann mischen sich die Gruppen und man überholt die ersten der vorherigen Age Group und auch einige der Eliteläufer, die 20 Minuten vorher gestartet waren. Keinen Schimmer mehr, an welcher Position ich war. Zwischenzeitlich regnete es ein wenig, aber irgendwie hat man das kaum bemerkt. Dann knallte wieder die Sonne. Feinstes Aprilwetter im September.

Wie verläuft so ein Rennen, mal abgesehen davon, dass man nicht erster ist? Ich suche mir jemanden in Sichtweite und arbeite mich ran. Ich nenne es jagen. Dabei nur nicht zu gierig werden, taktieren, Position halten, rankämpfen. Oft denkt man, dass es aussichtslos ist, aber dann kommt ein Hindernis und vorbei ist man, das ist es ja, was OCR so besonders macht.

Carrys, Seile klettern und Gegenstände hoch oder längs ziehen sind ein reiner Kraftakt und darauf hatte ich mich sehr gut vorbereitet. Die Wände werden auch immer höher mit zunehmender Laufstrecke. Die Höchste stand im Sand, so dass man beim Anlauf schon eingesunken ist und echt schwer hoch kam. Ich brauchte einen zweiten Versuch.

Hangeln fällt mir immer noch schwer. Ich merke ein deutliches Defizit in der linken Hand, doch auch hier konnte ich fehlerfrei arbeiten. Slackline war schön hart gespannt im Gegenteil zu Verbier und es fiel mir leicht, man muss halt mutig sein und zügig rüber. Nun ist es nicht mehr weit. Speerwurf – ich habe das Ding da reingenagelt. Die letzten Hindernisse, wo ich auch hier nochmals besten Dank an Icebugs senden muss. Der Schuh ist so geil. Grip auf nassen Brettern, leicht und darüber hinaus sehr kleidsam.

Es geht in die Zielgerade, .. äh, Kurve an einem Bomber vorbei. Firejump und rein ins Ziel.

Ich war megahappy. Mein zweiter fehlerfreier Spartan. Zero Burpees. Ich bekam meine Beast Medaille,  das Finishershirt und das Finisher Foto sehr schnell. Nun ja, die Massen waren ja auch noch nicht durch. Zur Erfrischung gab es auch noch einen Tee.

Am Resultszelt kann man direkt durch Eingabe der Startnummer, die auf dem Stirnband steht, die aktuell Platzierung erfahren. Was soll ich sagen? Dort stand ganz oben ein 1st!!!

Ich konnte mir ein lautes JAAAA nicht verkneifen. Ich gewann mein AGE Group. Ich bekomme eine Goldmedaille. Irgendwie konnte ich es noch nicht glauben.

Ich ging zur Registration und bat darum, bereits um 13:00 Uhr beim Sprint starten zu können, da ich ja nun unglücklicher weise nicht um 14:00 Uhr starten konnten, denn ich musste ja zur Siegerehrung und ich wollte halt nicht, dass mir das gleiche, wie in Verbier passierte – Start verpasst wegen Siegerehrung.

Die Dame am Helpdesk war nun aber mal so richtig freundlich und gab mir eine neues Startarmband. Den Zeitnahmechip und das Stirnband für den Sprint hatte ich ja schon.

Am Auto pellte ich mich aus den nassen Klamotten. Ich machte mich ein wenig frisch und legte mich ins Auto für einen kleinen Powernapp.

Da der Start ja nur ca. 100m von meinem Auto entfernt war, lies ich mir Zeit bis kurz vor dem Start. Ich hatte meine zweite Racegarnitur angelegt und wollte den Sprint eigentlich zum Auslaufen benutzen. Außerdem wollte ich ja die Trifecta, d. h. alle 3 Distanzen innerhalb von einer Saison finishen.

Am Start, und zwar direkt an der Startlinie, lernte ich den nächsten Alex kennen, ein Mitglied des OCR Munich. Im Übrigen traf ich, glaube ich zumindest, auch Nicole, Sigi und Uwe von Deutschlands größtem OCR Verein. Und Christian hatte mich doch meine ich auch irgendwo angefeuert? Wo war der denn nachher? Egal, zurück zum Rennen.

Da es ein Open race war, wurde in der Startbox viel mehr Party gemacht. Genau das Richtige für mich – nicht! Naja, es sei denn es ist ein Familyrun.

Ich blieb vorne stehen und kümmerte mich um andere Dinge, z. B. um mich. Countdown mit dem Finger an der Uhr und ab die Post.

Da ich nicht wusste, wo die Läufer des Super waren, gab ich Gas, um zumindest nicht in der eigenen Gruppe bei den Hindernissen warten zu müssen. Ich blieb immer schön unter den ersten 10. Die Hindernisse waren ja schon bekannt.

Ich konnte gut Druck aufbauen, obwohl ich das ja gar nicht wollte. Egal, gib ihm, ausruhen kannst Du Dich später. Irgendwann kamen wie befürchtet, die Läufer des Super und vielleicht auch Beast auf die Strecke. Es wurde voller und man konnte an manchen Stellen nicht überholen. An anderen wurde schnell Platz gemacht und auch die vorderen Leute mit einem lauten „Läufer“ vorgewarnt.

An einem ca. 4m hohem Netz, das man überklettern musste – ich hatte mich schon beim Beast über die 4-5 cm dicken Matten gefreut, falls man abstürzt (Ironie off) – drängelte ich mich frech durch und vor. Ich hatte die Uhr im Blick und wollte unter 40 Min bleiben. Auch der Speer saß perfekt, auch wenn die „Opfer“ schon ganz schön gefleddert wurden. Die letzten Hindernisse und es ging über das Feuer ins Ziel.

Sprintmedaille und somit Trifecta completed. T-Shirt habe ich auch relativ schnell bekommen. Beim Finisherfoto sagte die Fotografin, oh ein schneller Sprinter! Warst Du nicht vorhin schon mal hier? Ich war in Erinnerung geblieben.

Nur aus Neugierde schaute ich mir meine Platzierung an. Oben stand erneut 1st Age Group und 4. Gesamt. Alter, das hätte ich nun wirklich nicht erwartet.

Mir wurde kalt und ich ging zum Wagen, um mir meine Dryrobe überzuwerfen und dann zur Siegerehrung zu gehen. Dort traf ich dann auch wieder auf Toni mit Frau Petra und Jan. Pünktlich um 14:00 Uhr plus Verspätung (scheint bei Spartanrace normal zu sein) kam dann auch die Siegerehrung. Erst die Elite – Jan hatte gewonnen und dann von alt nach jung. Toni durfte sich, wie ich Goldmedalist nennen. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl. Ein großes Lob an Spartanrace, dass sowohl die Ergebnisse sofort feststehen und dass es auch für die Age Groups eine Siegerehrung gibt.

Am Wagen zurückgekehrt, packte ich meine frischen Sachen und ging zu den, wie ich zwischenzeitlich erfuhr, warmen Duschen. Ich bekam auch direkt eine Duschzelle.

Geschniegelt und gestriegelt zog ich wieder die Dryrobe an, denn es hatte angefangen zu regnen. Ich wollte mir noch meine Trifecta-Medaille abholen. Was soll ich sagen. Da war eine Schlange, die war unbeschreiblich. Unterwegs traf ich noch meine alten Weggefährten Phil, mit dem ich damals beim Mud Masters 24h Seite an Seite gekämpft hatte.

Da es nun aber mal richtig gegossen hat, ging ich erstmal ins Merchzelt und wollte mir ein Trifecta-Ding kaufen. War aber leider aus. Also entschied ich mich für Cappy und Hoodie. T-Shirt zog ich in Erwägung, dachte mir dann aber, dass ich doch gerade erst zwei bekommen hatte.

Nun stellte ich mich ans Ende der Trifecta Schlange. Hier lernte ich auch Spartan Dennis kennen und Daniel vom Leichtathetic. Nachdem wir nun ca. 1h in der Schlange standen, erklärte Dennis, dass es für die erste Trifecta keine Medaille gibt. Dafür sind ja die Teilstücke da. Lediglich die Leute, die es in Berlin an einem Tag geschafft hatten, und die, die mehrfach in diesem Jahr gefinished hatten bekommen eine extra Medaille. Ich müsste aber einen Sticker bekommen mit Trifecta DACH oder sowas.

Naja, was soll ich sagen, es gab nichts. Dafür stand ich dann 1,5h an. Aaaber ich habe Manon kennengelernt, die einen gigantischen Teller um ihren Hals trug. 14x (in Worten VIERZEHN) Trifecta in diesem Jahr. Und das soll noch nicht das Ende der Fahnenstange sein.

Nachdem ich mich nun von allen verabschiedet hatte, machte ich mich auf dem Heimweg. Ein paar Leckereien auf dem Beifahrersitz, ein Hörbuch im CD-Fach und eine Goldmedaille im Kofferraum.

Jetzt ist erstmal 1 Woche Pause!!!

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Ich möchte mich noch ganz herzlich bedanken bei:

  • Icebug Schuhe
  • Mercedes Herbrand
  • Winged Monkey Grips
  • Mud Monkeys OCR Team
  • Holdstrong fitness
  • BodyCross
  • Hindernislaufguru
  • Martial Arts Center The Crane
  • Sportograf für die tollen Fotos
  • und natürlich bei Spartan Germany

Fazit:

Positives und negatives gibt es bestimmt, aber ist mir egal, denn ich hab eine Goldmedaille.

Die Termine für das kommende Jahr stehen bereits auf der Homepage. Hier könnt ihr euch schon anmelden.

Spartanrace

Im Übrigen habe ich mich mit finishen der Trifecta für die Trifecta-Weltmeisterschaften im November diesen Jahres in Sparta Griechenland qualifiziert. Ihr könnt also gespannt sein. 😉

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